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Ausstellungsband

Wolfgang Koeppen wäre am 23. Juni 2006 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat das Literaturzentrum Vorpommern eine Ausstellung erarbeitet, die sich dem Künstler Koeppen widmet, in seine Schreibwerkstatt blickt, den vielgesichtigen Literaten und produktiven Journalisten zeigt, seine Schreibqualen und Versagensängste dokumentiert, und einen Ästheten beschreibt, der aus Literatur gebaut zu sein scheint, eben einen manischen Leser, Rollenspieler und pausenlosen Fabelerfinder. Nicht minder wichtig ist dabei der Zeitchronist, der sich mit der einprägsamen Darstellung von Krisenerfahrungen in Zeiten der Modernisierung, des Zeitumbruchs nach dem I. und II. Weltkrieg, einen vorderen Platz in der deutschen Literaturgeschichte erschrieb. Koeppen selbst war mit diesen Umbruchserfahrungen, der schmerzenden Zeit und ihren Symptomen der Angst und Verzweiflung bestens vertraut. Der Autor fühlte sich zeitlebens als Außenstehender und Beobachter, als Einsamer in der Menge, der selten aus seiner Haut konnte und auf der Suche nach sich selbst literarische Grenzen überschritt. Das erregte Medieninteresse, schuf eine Aura prophetischer Existenz und hielt den Autor auch in jenen langen Zeiten im Gespräch, als der längst als Romanautor verstummt war.

Die Ausstellung nutzt den Nachlass des Autors im Greifswalder Koeppen-Archiv, um aus Koeppens „Zettelgebirge“, diversen Schreibanfängen und Projektskizzen, aus Briefen und Sachzeugnissen einen Zeugen des Jahrhunderts und großen Ästhetiker hervortreten zu lassen.

 

Parallel zur Ausstellung ist ein kleiner Band erschienen, der alle wichtigen Stationen der Ausstellung einmal dokumentiert.

Der Band ist im Wiecker Bote Verlag (ISBN: 3-935458-17-7) erschienen, und kann in der Ausstellung, im Büro des Literaturzentrums (Tel. 03834-773510) oder im Greifswalder Buchhandel erworben werden.

 

Broschüre "Koeppen in Greifswald"

Dem Kind und späteren Ehrenbürger der Hansestadt Greifswald Wolfgang Koeppen wie auch seinen Verbindungen zu Greifswald widmet sich nun eine Publikation, die in der Berliner Reihe „Menschen und Orte - Die bibliophilen Hefte zu Leben und Lebensorten bedeutender Menschen“, erschienen ist.

 

In gehaltvoller Aufmachung informiert das Heft mit hochwertigen Schwarzweiß-Aufnahmen, unter anderem aus dem Nachlass, über das bewegte Leben und das literarische Werk eines der wichtigsten Nachkriegsautoren Wolfgang Koeppens. In Zusammenarbeit mit dem Koeppen-Archiv und dem Literaturzentrum Vorpommern verfasste der Berliner Autor Bernd Fischer ein Büchlein, das hiesigen Literaturinteressierten und Gästen der Stadt den Autor und Mensch Wolfgang Koeppen näher bringen möchte.

 

Die Broschüre ist zum Preis von Euro 6,- im Koeppenhaus, dem Greifswalder Buchhandel und der Stadtinfo erhältlich.

 

Jugend

"Jugend", das ist die Erinnerung an die eigene Jugend wie Vorstellungen einer fremden Jugend. Was geschildert ist, sind träume einer Kindheit kurz vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg. Es könnte ein Bericht über und für einen Fremden sein, eine Autobiographie, geschrieben in das Leben eines anderen, ein Versteck für viele Figuren.

 

Tauben im Gras

"Tauben im Gras", 1951 erstmals erschienen, ist der erste Roman jener "Trilogie des Scheiterns", mit der Wolfgang Koeppen eine erste kritische Bestandsaufnahme der sich formierenden Bundesrepublik Deutschland gab. Mit Vehemenz und unerbittlicher Schärfe analysiert Koeppen die Rückstände jener Ideologien und Verhaltensweisen, die zu Faschismus und Krieg geführt haben und die schließlich in den fünfziger Jahren die Restauration der überkommenen Verhältnisse protegierten. Dabei ist das literarische Verfahren von "Tauben im Gras" ein kaleidoskopartiges: Der ganze Roman schildert Gestalten und Vorgänge eines einzigen Tages im München des Jahres 1949. Mit einer Fülle genauer atmospärischer Details zeichnet Koeppen den Nachkriegsalltag dieser Stadt, die sein Protagonist, der verhinderte Schriftsteller Philipp, wie ein Schlachtfeld erlebt, wie ein undurchdringliches "Pandämonium".

 

Der Tod in Rom

Der Tod in Rom, aus der Distanz eines ironischen Geistes und zugleich mit der ganzen Kraft des Moralisten geschrieben, ist die Geschichte einer Handvoll Menschen, die nach dem Zweite Weltkrieg in Rom zusammentreffen: Opfer, Täter, Vorbereite: und Nachgeborene des Schreckens. Rom, die Stadt Cäsars und Mussolinis, die Heilg. Stadt und die Stätte zweideutige.-Vergnügungen, bringt die Vergangenheit dieser Männer und Frauen ans Licht und verstrickt sie in die Gegenwart. Erinnern und Vergessen sind gleichermaßen verhängnisvoll. Wolfgang Koeppen beschreibt die verborgenen Krankheiten der deutschen Seele: ein Werk voll beklemmender, faszinierender und befreiender Lebenseinsichten. Wolfgang Koeppen, geboren l906 in Greifswald, starb 1996 in München. 1962 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Der Tod in Rom gehört, neben seinen Romanen Tauben im Gras und Das treibhaus, zu den wichtigsten Denkmälern der deutschen Nachkriegsliteratur.