Romanisches Café (1972)
Romanisches Café. Trümmer, oder wohin wandern wir aus. Verlobung im Alten Salon. Am frühen Morgen. Melancholia. Der Sarkophag der Phädra. Zum ersten Mal in Rotterdam. In meiner Stadt war ich allein. Anarchie. Thanatologie. Schön gekämmte, frisierte Gedanken.
Auszug
“Der Kaiser oder des Kaisers Baumeister oder des Kaisers Knecht hatte zum Gedenken des alten Kaisers, von dem der junge Kaiser das Reich und die Würde nahm, die romanische Kirche gebaut und sich selber gehuldigt, indem er mit der zeitgemäßen romanischen Kirche dem alten Kaiser huldigte und Kaiser Carolus Magnus und Kaiser Barbarossa und Lohengrin mit dem Schwan und dem Großen Kurfürsten mit dem Exerzierstock und Fridericus Rex mit dem Krückstock und dem von Säckingen mit der Trompete und Martin Luther wegen der festen Burg, die unser Gott ist, und Gustav Freytag wegen der Ahnen, auf die wir stolz sind, und dem Hofprediger Stöcker, der ein Fels war gegen die Auflösung der rechten Zucht, und dann hatte einer gedacht von der Königlichen Bauakademie oder von der Baufirma Heilmann & Littmann oder auch von der Deutschen Bank oder der Herr von Bleichröder, daß man zur romanischen Kirche ein romanisches Haus bauen solle mit Rundbogen und schmucken Säulen und traulichen Erkern zum Hinausstrecken von Ritterfahnen und hübschen Balkonen für Herolde und für Burgfräulein, die den Turnieren auf dem Platz zuschauen mochten, dem Drachentöter, der des millionenköpfigen, millionenfüßigen Untiers nicht Herr wurde, das auf allen Straßen herankroch, vielleicht wollten sie auch noch dem Klang der Laute lauschen, dem privilegierten Minnelied oder der Siegeshymne, es wurde nur ein Zapfenstreich …”
Jugend (1976)
Das ist die Erinnerung an die eigene Jugend wie Vorstellungen einer fremden Jugend. Geschildert werden Träume einer Kindheit kurz vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg. Es könnte ein Bericht über und für einen Fremden sein, eine Autobiographie, geschrieben in das Leben eines anderen, ein Versteck für viele Figuren.
Die elenden Skribenten (1981)
Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2006
Im Gespräch über den vor hundert Jahren geborenen Schriftsteller Wolfgang Koeppen erzählt Marcel Reich-Ranicki in Literatur und Kunst Uwe Wittstock von seinen vergeblichen Versuchen, Koeppen zum Schreiben zu animieren. “Und es ist mir auch gelungen, in sehr bescheidenen Grenzen. Also habe ich ihm immer wieder Aufträge gegeben, Bücher des 19. Jahrhunderts für die FAZ zu rezensieren. Manche dieser Bücher habe ich überhaupt nur besprechen lassen, damit er Aufträge erhielt. Aus diesen Artikeln ist dann Koeppens Buch “Die elenden Skribenten” entstanden. Ich glaube, es ist ein wichtiges Buch, aber natürlich kein Ersatz für den Roman, den ich von ihm zu bekommen hoffte.”


